Ukrainische Premier League: ein Stück Normalität | DW

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Ein schrilles Geräusch ertönt, es hört sich an wie ein gewaltiger Pfiff, die Spieler von Ruch Lwiw und Metalist Charkiw halten einen Moment inne und schauen auf die Uhr im Stadion. Es ist die 43. Minute, die Spieler sind verwirrt: Warum hat der Schiedsrichter die erste Hälfte vorzeitig beendet? Doch es war nicht der Pfiff des Schiedsrichters. Es war das Luftschutzwarnsystem, das seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar zum Alltag gehört. Die Spieler beider Mannschaften werden in den nächstgelegenen Luftschutzkeller geführt.

“Wir pausierten etwa 30 Minuten lang. Das war etwas, was ich noch nie erlebt hatte. Wir gingen in den einen Unterstand im Stadion und entspannten uns. Dann kehrten wir auf das Spielfeld zurück und machten weiter”, sagte Lwiws Mittelfeldspieler Viv Solomon-Otabor der DW. “Als wir die zweite Hälfte begannen, gab es einen weiteren Alarm. Diesmal haben wir etwa 50 Minuten gewartet. Und das war auch nicht das letzte Mal, dass das Spiel unterbrochen werden musste”, berichtet der 26-jährige Brite. “Es war ärgerlich, denn wenn man spielt ist man auf das Spiel konzentriert. Gleichzeitig dachte ich: Das könnte gefährlich sein.” Vier Stunden und 27 Minuten nach Anpfiff endet die Partie schließlich mit einem 2:1-Sieg für Charkiw. 

Menschen sollen an die Zukunft denken

Die ukrainische Premier League hat im August den Spielbetrieb wieder aufgenommen, um die Menschen von den Schrecken der russischen Invasion abzulenken. Sechzehn Mannschaften haben die Saison begonnen – allesamt aus Städten, die weit von den Frontlinien des Krieges entfernt sind. Trotzdem besteht die ständige Gefahr, dass russische Raketen nicht weit entfernt einschlagen könnten.

Fußballprofi Viv Solomon-Otabor ist trotz des Krieges in der Ukraine geblieben

Die Saison 2021/22 war nach dem Einmarsch Russlands abgebrochen worden, einen Meister gab es nicht. Der damalige TabellenführerSchachtjor Donezk, der bereits seit Ausbruch des Konflikts in der Ostukraine im Jahr 2014 nicht mehr in der heimischen Donbass-Region spielt, erhielt jedoch den einzigen Champions-League-Platz des ukrainischen Verbandes.

Während des Krieges verpasste die Ukraine auch die Qualifikation für die Fußball-WM in Katar. Doch jetzt, mehr als sieben Monate nach Beginn der Invasion, können die Ukrainer wieder Fußball in der nationalen Liga sehen. Aus Sicherheitsgründen finden die Spiele allerdings ohne Publikum Türen statt- Fans können sie aber zumindest im Fernsehen und auf Youtube verfolgen. Der Präsident des ukrainischen Fußballverbandes, Andriy Pavelko, hofft, dass dies den Menschen im Land helfen wird, “an die Zukunft zu denken”.

Sportler zeigen Unterstützung

Der britisch-nigerianische Fußballer Viv Solomon-Otabor wechselte im Janua 2021 in die ukrainische Liga. Der ehemalige Spieler von Wigan Athletic hatte sich gerade von einer Verletzung erholt, als er bei Ruch Lwiw unterschrieb.

In der Winterpause 2021/22 bereitete sich die Mannschaft drei Wochen in der Türkei vor. Solomon-Otabor hatte sich zu dieser Zeit ein paar Tage frei genommen, um seine Familie in England zu besuchen. Für sein erstes Pflichtspiel kehrte er noch vor Beginn der russischen Invasion nach Lwiw zurück. “Ich dachte nicht eine Sekunde lang, dass etwas passieren würde. Es war ein Schock für mich und alle anderen, und wir mussten den Weg nach Hause finden”, sagt er. Die Spieler erhielten Anweisungen, wie sie die polnische Grenze erreichen können. Nach mehrstündigem Warten in einer masse von in Panik geratenen Menschen konnte der Mittelfeldspieler nach Polen einreisen, von wo aus er nach England zurückflog.

Die Spieler von Schachtjor Donezk betreten mit umgehängten Ukraine-Fahnen den Rasen

Obwohl der Weltfußballverband FIFA ausländischen Spielern geraten hatte, ihre Verträge aufgrund des Krieges zu kündigen, entschied sich Solomon-Otabor dagegen. Auch weil er in Lwiw die Spielzeit bekommen kann, die er braucht. Und er freut sich, dass der Sport dem Land trotz des Krieges hilft, ein Stück weit positiv zu bleiben. “Der Fußball ermöglicht es allen zusammenzukommen, um ihr Land zu unterstützen und ihre Wertschätzung für das Land und die Soldaten, die kämpfen, zu zeigen”, sagt der 26-Jährige.

Zu Beginn eines jeden Spiels wird eine Schweigeminute eingelegt, um allen vom Krieg Betroffenen zu gedenken und das Militär und die Ersthelfer zu ehren. Viele Fußballvereine haben durch Wohltätigkeitsspiele in ganz Europa Spenden gesammelt. Solomon-Otabor hält es für wichtig, dass der Ligaspielbetrieb in der Ukraine wieder aufgenommen wurde, auch wenn er aktuell vor leeren Rängen stattfinden muss. “Das erinnert mich an die Zeit der COVID-19-Maßnahmen”, sagt er. “Es wäre toll, Fans im Stadion zu haben. Aber am wichtigsten ist es, alle spielen zu sehen. Man muss dem Land zugute halten, dass es einen Weg gefunden hat, den Fortbestand der Liga zu sichern.”

Aus dem Englischen adaptiert von Jörg Strohschein

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