Spanien braucht Wasser, um wachsen zu können | DW

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Verbrannte Wälder, trockene Felder, Hunderte von Beerenplantagen und Schwerindustrie am Hafen. In der südspanischen Provinz Huelva sind viele Probleme des Klimawandels auf einem Fleck konzentriert. Die Landwirtschaft und der hier angesiedelte Düngemittelhersteller Fertiberia haben vielerorts das Grundwasser und den Boden vergiftet, was der WWF und Greenpeace seit vielen Jahren anklagen, genauso wie die Austrocknung eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Europas, des Park Doñana.

Die Kontraste in der andalusischen Provinz sind schmerzlich. In unmittelbarer Nähe der beliebten Naturstrände von Matalascañas und Mazagón wird Gas verflüssigt. Es stinkt, die Gewässer in unmittelbarer Nähe sind verschmutzt. Huelvas LNG-Hafen ist ein entscheidender Baustein in Spaniens ambitionierter Wasserstoff-Strategie. Aber noch weiß niemand, woher das Wasser dafür kommen soll, fehlt es doch jetzt schon überall.

Unterentwickeltes Umweltbewsusstsein

Der spanische Agronom Rafael Álvarez kennt den Landstrich seit Jahrzehnten: “Die Diskrepanz zwischen Wasserverbrauch und Bestand, zwischen Nachhaltigkeit und Überleben ist in Huelva besonders eklatant.” Nur wenige scheinen hier, wo die Jungfrau in der Westernstadt El Rocío gefeiert wird und der Flamenco zuhause ist, für den Klimawandel sensibilisiert.

Die Arbeitslosigkeit ist hoch in der Provinz, dennoch stranden hier jede Woche weiter Hunderte von afrikanischen Migranten, die Erd- und Himbeeren pflücken. Den neuen nationalen Energiesparplan halten hier nur wenige Hotels und Restaurants ein. Die illegale Bewässerung rund um den Naturschutzpark Doñana bleibt weitgehend unbehelligt, trotz eines anhängigen Gerichtsverfahrens. Die gerade wiedergewählte konservative andalusische Regionalregierung hat die Umwelt nicht oben auf der Agenda.

Álvarez’ Firma VerdeSmart entwickelte schon vor zwei Jahrzehnten Sonden, die den Stress der Pflanzen messen und so helfen, die Dünger- und Wasserzufuhr besser zu kontrollieren können. Huelva war sein Versuchslabor, aber es dauerte lange, bis sein Wissen dort und im Rest von Spanien fruchtete.

Gewächshäuser so weit das Auge reicht – Spaniens Landwirtschaft verbraucht unverhältnismäßig viel Wasser

Überall fehlt es an Wasser

Dabei erinnern die spanischen Meteorologen von Meteored daran, dass schon in den 90er Jahren jeder wusste, was auf das Land zukommen würde. Es regne heute nicht weniger, schreiben sie in einem Bericht, aber es werde wegen des Klimawandels immer heißer. Deswegen werde der in immer kürzeren Phasen, aber dafür stärker herunterprasselnde Regen nicht mehr so gut aufgenommen vom Boden.

Nicht nur in Huelva, auch in Murcia und im Zentrum des Landes sinkt der Grundwasserpegel, weil nicht mehr genug Regenwasser nachsickert. Aber wenn jetzt schon überall Wasser fehlt, wie soll Spanien dann Europas Hauptlieferant von grünem Wasserstoff werden?

Entsalzung kostet viel Strom

Spaniens Industrie und die durstige Landwirtschaft funktionieren nur dank der 765 Entsalzungsanlagen an der Küste, aber die steigenden Energiepreise schlagen hier besonders durch. “Der bisherige Prozess verbraucht zu viele Ressourcen und Strom,” erklärt Álvarez. Würde man diese Anlagen für die Elektrolyse einsetzen, läge der Bedarf bei fast 22,5 kg Wasser pro 1 kg Wasserstoff, wie Wissenschaftler im UN-Bericht “The state of desalination and brine production: A global outlook” berechnen.

“Entsalzungsanlagen sind eine Lösung, wenn es nichts anderes gibt, aber sie sind nicht ideal,” sagt der spanische Energieexperte und Umweltforscher Antonio Turiel. Der Prozess hinterlasse zudem eine Salzlauge, die bisher einfach ins Meer zurückgepumpt wurde. Álvarez Business-Partner Ades verspricht, durch eine andere Technik, die mit Brunnen und Solarenergie funktioniert, eine bessere Klimabilanz zu liefern. Aber noch findet diese vom Massachusetts Institute of Technology in den USA prämierte Technik keine breite Anwendung in Spanien. 

Meerwasser-Entsalzungsanlage nahe Palma – so kann man Süßwasser erzeugen, braucht aber viel Strom dazu

Spanien – Weltmeister im Greenwashing

Trotz aller Fragezeichen: In La Robla in der autonomen Region Castilla y León, wo früher Kohle abgebaut wurde, wollen die spanischen Unternehmen Naturgy und Enagás jährlich 9.000 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren. Doch Turiel warnt: “Wir können nicht immer nur eins durch das andere ersetzen, sondern müssen unseren Energieverbrauch insgesamt reduzieren.” Für ihn ist Wasserstoff wegen des enormen Ressourcenverbrauchs nicht der ideale Energieträger.  Die steigenden Wasser- und Strompreise träfen am Ende auch diese Industrie, was nur die wenigsten beachtet hätten bei ihren Berechnungen.

Das Beispiel der derzeit europaweit größten Fabrik für grünen Wasserstoff in Puertollano, rund 2,5 Autostunden von Madrid entfernt, macht es deutlich. Europas Marktführer in grünen Energien, Iberdrola, hat in vielen Medien für das Projekt geworben, aber bisher wird noch nichts produziert, weil das Werk ohne die Milliarden-Hilfen aus den Next-Generation-Fonds der EU nicht rentabel ist, wie spanische Medien schreiben. Konkrete Auskunft zu dem Thema will kaum jemand geben.

Wirtschaftsentwicklung als Lackmustest

Die spanische Bank BBVA wirbt derweil damit, dass sie zusammen mit Iberdrola als erste in der Welt Kredite mit einem Wasser-Fußabdruck auf den Weg gebracht hat. Und Aldi und Lidl, die billige rote Beeren aus Huelva beziehen, versprechen in einem gemeinsamen Statement mit dem WWF, keine Ware mehr von illegal bewässerten Plantagen zu beziehen.

An der wirtschaftlichen Entwicklung Huelvas, wo so viele Nachhaltigkeitsprobleme Spaniens aufeinandertreffen und wo in diesen Wochen an vielen Orten das Wasser nachts abgestellt wurde, muss sich die spanische Linksregierung unter Pedro Sánchez, die als Energieagent in Europa auftritt, zukünftig messen lassen, glauben Huelvas Umweltschützer.

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