Nach Überschwemmungen: Dramatische Lage in Pakistan | DW

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Nach jüngsten Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde sind seit Mitte Juni mehr als 1160 Menschen durch die Überschwemmungen ums Leben gekommen. Unter den Toten seien auch 384 Kinder, hieß es. Insgesamt sind nach Regierungsangaben mehr als 33 Millionen Menschen in 116 der 160 Bezirke Pakistans betroffen; etwa ein Drittel des Landes steht derzeit unter Wasser.

Pakistans Katastrophenschutzbehörde rechnet zudem mit weiter steigenden Todeszahlen. Derzeit regne es in den meisten Teilen des Landes zwar nicht, es würden aber Gewitter und Regen in den Einzugsgebieten aller großen Flüsse erwartet. Das könnte die Pegel weiter steigen lassen.

Auch wenn es im Land selbst kaum noch regnet – die Flusspegel könnten weiter steigen

Täglich mehr als 4000 Flüchtlinge in Karatschi

In der Metropole Karatschi droht zudem ein Flüchtlingsdrama. Mehr als 50.000 Menschen aus den Hochwassergebieten der Provinz Sindh haben bereits Zuflucht in von den Behörden eingerichteten Lagern der Stadt gesucht, wie das pakistanische Nachrichtenportal “Dawn” berichtet. Täglich kämen derzeit bis zu 4000 weitere Hochwasserflüchtlinge nach Karatschi.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) drohen dem Land jetzt auch drastische Einschnitte bei der Gesundheitsversorgung. Millionen Menschen hätten durch die Flut den Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten verloren. Zudem könnten sich potenziell tödliche Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber ausbreiten.

Viele Menschen haben all ihren Besitz verloren

Polio-Impfkampagne muss ausgesetzt werden

Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO mitteilte, wurden 888 Gesundheitseinrichtungen beschädigt. Auch die Polio-Impfkampagne sei wegen der Regenfälle und Überschwemmungen in den betroffenen Gebieten unterbrochen worden. Der für Pakistan zuständige Regionaldirektor Ahmed al-Mandhari sagte, die Zerstörungen seien um einiges schlimmer als bei vergangenen Fluten in dem südasiatischen Land. Die Vereinten Nationen sprechen von einer noch nie dagewesenen Klimakatastrophe in Pakistan.

Unterdessen hat Regierungschef Shehbaz Sharif erneut an die internationale Gemeinschaft appelliert und um Hilfe gebeten – auch langfristige. Insbesondere die Industriestaaten sollten Entwicklungsländer wie Pakistan nicht dem Klimawandel ausliefern, schrieb er auf Twitter. Obwohl das südasiatische Land weniger als ein Prozent der weltweiten klimaschädlichen CO2-Emissionen ausstoße, befinde sich Pakistan auf Platz acht der Staaten, die den Klimawandelfolgen am stärksten ausgesetzt seien.

Regierungschef Sharif (Archivfoto von April 2022): Pakistan nicht mit den Folgen des Klimawandels alleinlassen

“Ein beispielloser Monstermonsun”

Die Bedrohung durch den Klimawandel sei real, mächtig und sie starre dem Land ins Gesicht, so Sharif weiter. Auch Klimaschutzministerin Sherry Rehman schrieb die Überschwemmungen der Klimakrise zu. Bei den diesjährigen Regenfällen handle es sich um einen unerbittlichen, beispiellosen “Monstermonsun”, schrieb sie auf Twitter. Sie verglich das Land mit einem “vollgesogenen Schwamm”, der kein weiteres Wasser mehr aufnehmen könne.

In Pakistan dauert die jährliche Monsun-Periode für gewöhnlich von Juni bis September. Seit Mitte Juni ist das südasiatische Land mit seinen rund 220 Millionen Einwohnern von ungewöhnlich starkem Monsunniederschlägen betroffen.

bru/qu (dpa, KNA, afp)

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