K-Pop: Erfolgswelle auch in Deutschland | DW

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Südkorea gehört zu den am schnellsten wachsenden Musikmärkten weltweit. Grund dafür ist die internationale Verbreitung des K-Pop, der dem Land jährlich mehrere Milliarden Euro einbringt. Dass die südkoreanische Popmusik so erfolgreich werden konnte, ist nicht zuletzt den sozialen Medien und einer vernetzten Fangemeinde zu verdanken. Auch vor Deutschland macht der Hype keinen Halt: Immer mehr Menschen begeistern sich hierzulande für die südkoreanische Popmusik. Was fasziniert sie daran?

Spaß und Zusammengehörigkeit

“K-Pop ist einfach etwas, was mir Freude bringt”, schwärmt Melissa Ndugwa. Die 21-Jährige ist die Mitbegründerin von K-Fusion Entertainment, dem größten K-Pop-Fantreffen deutschlandweit. Was sie an K-Pop begeistert? “Die Musik zu hören, die Choreografien zu üben und dann gemeinsam mit anderen nachzutanzen, macht mir wahnsinnig viel Spaß”, so Ndugwa. Das gemeinsame Tanzen ist nicht nur eine beliebte Aktivität unter Fans, sondern ein zentraler Bestandteil des K-Pop. Dort zählt die Performance der Idols – so werden die koreanischen Popstars genannt – mindestens so viel wie die Musik. Das Erfolgsrezept lautet: einprägsame Melodien, ausgefeilte Choreografien und aalglatt inszenierte Stars. 

Für K-Pop-Fans ist Frankfurt am Main ein beliebter Treffpunkt

K-Pop-Metropole: Frankfurt am Main

Die K-Pop-Stars sind für viele ihrer Fans Vorbilder, auch was Schönheitsideale angeht. Seit einigen Jahren boomen in Deutschland koreanische Beauty- und Pflege-Produkte. In mehren deutschen Städten gibt es Salons, die koreanische Kosmetik und Hautpflege anbieten, darunter Frankfurt. Hier lebt die größte koreanische Gemeinschaft Deutschlands, mittlerweile ist die Stadt zur deutschen K-Pop-Metropole geworden.

Im Mai 2022 fand dort das erste große K-Pop-Festival Europas mit 70.000 Zuschauern statt. Zum “KPop.Flex” kamen Größen wie Monsta X, Mamamoo und NCT Dream. Mit beteiligt an der Organisation war das Seoul Broadcasting System (SBS), eine private Fernseh- und Rundfunkanstalt aus Südkorea. Offenbar ahnt man dort, dass sich Deutschland als lukrativer Markt entpuppen könnte.

Stars aus Südkorea: Die Band NCT Dream beim K-Pop-Festival in Frankfurt

“Eigentlich ist die K-Pop-Community in Deutschland noch klein, verglichen mit den USA, asiatischen und anderen europäischen Ländern. Aber in diesem Jahr ist ein großer Wandel bemerkbar gewesen. Es gab viel mehr Konzerte von koreanischen Künstlern. Und ein Festival wie in Frankfurt hat es in Europa noch nie gegeben”, sagt Kocky B, die Leiterin der K-Pop-Tanzgruppe Shapgang. Die zwölfköpfige Gruppe aus Frankfurt tritt auf Wettbewerben und auf TikTok auf, wo sie Cover-Versionen, aber auch eigene Choreografien tanzt.  

Der Anspruch: Perfektion

Die Faszination für K-Pop sei bei ihr durch den Fokus auf das Visuelle, auf den Tanz und durch die bunte, schrille, spaßige  Inszenierung gekommen, die sie aus der westlichen Musikbranche nicht kannte, sagt Kocky B. 

“Als wir angefangen haben, gab es wenige Leute, die K-Pop überhaupt kannten. In der Tänzerszene wurde es eher belächelt”, sagt sie. “Das hat sich inzwischen enorm gewandelt, denn die K-Pop-Industrie bietet viele Jobangebote für Tänzer. Die Leute haben jetzt erkannt, wie bedeutend dieser Markt ist. Viele westliche Tänzer werden von K-Pop-Labels angeheuert, um Choreografien zu entwickeln”.  

In K-Pop-Choreografien tanzen die Stars in makelloser Synchronizität. Und das bei Gruppen, die bis zu 20 Mitglieder zählen. Es geht um Gleichtakt, um Gemeinschaft – und um Perfektion. Das gilt auch für die Musik, wie Isabelle Opitz, Redaktionsleiterin des deutschen Popkulturmagazins K*bang Magazin erklärt: “Die Musik selbst ist sehr hochwertig produziert, häufig sind Songschreiber aus dem europäischen Raum beteiligt. Man holt sich als Label ein riesiges Team nach Korea. Da kann eigentlich nicht viel schiefgehen. Als Fan weiß man von Anfang an, was man bekommt”, so Opitz. 

Soziale Medien nehmen zentrale Rolle ein

K-Pop funktioniere auch deshalb so gut, weil es ein riesiges Paket an Interaktionsmöglichkeiten biete, so Opitz. Die Fans schauen sich jedes Musikvideo, jeden Interview-Auftritt an und sind über die einzelnen Gruppenmitglieder bestens informiert.

BTS sind die erfolgreichste K-Pop-Band – und legen nun eine Pause ein

Zudem spielen viele Idols in Serien oder Filmen mit, die Kommunikation über die sozialen Medien ist perfekt geregelt. “Durch Plattformen wie Spotify und YouTube und soziale Netzwerke wie etwa Twitter ist K-Pop zugänglicher geworden, die Community ist vernetzter”, so Opitz. “Selbst wenn man gar nichts mit K-Pop zu tun hat, schlägt YouTube einem Inhalte vor”. Heute gebe es in jeder deutschen Schulklasse jemanden, der K-Pop höre, so Opitz. 

K-Pop-Idols: Vorbilder?

Dieser Erfolg sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch Schattenseiten gibt. K-Pop ist ein knallhartes Industrieprodukt, die Bands werden von Unterhaltungskonzernen zusammengestellt. So werden Jugendliche unter Vertrag genommen und gezielt ausgebildet – in teils kräftezehrenden und auch etwas zweifelhaften Programmen. Wer überzeugt, bekommt einen Platz in einer Gruppe.

  • Diese K-Pop-Gruppen sollte man kennen

    Blackpink

    Die vier Frauen von Blackpink gehen mit ihrer Musik nicht nur in ihrer Heimat Korea durch die Decke, sondern sind derzeit sogar die gefragteste Girlband der Welt. Ihre Single “Kill This Love” knackte einen YouTube-Rekord: Binnen 24 Stunden wurde sie knapp 60 Millionen Mal geklickt. Bei der Vermarktung der Gruppe folgt das Label YG Entertainment ganz offensichtlich dem Motto “sex sells”.

  • Diese K-Pop-Gruppen sollte man kennen

    BTS (Bangtan Boys)

    Die Gruppe BTS ist derzeit unangefochtener Spitzenreiter im K-Pop-Kosmos. Im Ranking “Social 50” der US-Wochenzeitung Billboard, das die weltweite Popularität von Künstlern in sozialen Netzwerken misst, belegen sie seit Jahren Platz 1; bei YouTube und TikTok haben sie Rekorde gebrochen. Vor kurzem hatte die international erfolgreiche Band eine Pause eingelegt – um neue Energie zu tanken.

  • Diese K-Pop-Gruppen sollte man kennen

    EXO

    EXO landen im “Social 50”-Ranking von Billboard gleich hinter BTS. Sie teilen sich auf in EXO-M (Mandarin) für den chinesischen Markt und EXO-K für den koreanischen. 2014 reichten zwei Bandmitglieder Klage ein. Kris Wu und Luhan warfen SM Entertainment vor, sie ungerecht zu behandeln und mit ihren Methoden gesundheitliche Probleme bei ihnen hervorgerufen zu haben. Das Label wies das zurück.

  • Diese K-Pop-Gruppen sollte man kennen

    Cha In Ha

    Die Musik aus Südkorea hat weltweit Millionen von Fans, ist einer der größten Export-Hits des Landes. Für die vielen Bands bedeutet das aber auch einen harten Konkurrenzkampf. Ende 2019 wurden die K-Pop-Sängerinnen Goo Hara von der Girlband Kara und Sulli von f(x) tot aufgefunden. Mit dem Tod von Schauspieler und Sänger Cha In Ha (Bild) wurde der K-Pop nun erneut erschüttert.

  • Diese K-Pop-Gruppen sollte man kennen

    GOT7

    Großer Publikums-Liebling am K-Pop-Himmel sind ebenfalls GOT7. 2014 eroberte die siebenköpfige Boyband die Charts im Sturm, landete mit ihrem ersten Album “Got It?” sogar auf Platz 1 der Billboard World Albums Chart; weitere Top-Platzierungen folgten. Sowohl auf den Bühnen der Welt als auch in den Sozialen Netzwerken wissen die Jungs ihre – vor allem weiblichen – Fans zu begeistern.

  • Diese K-Pop-Gruppen sollte man kennen

    Stray Kids

    Stray Kids wurden 2017 in einer gleichnamigen Reality-Show gecastet und spielen im K-Pop-Geschäft längst ganz oben mit. Bei ihrer Europatournee im Sommer traten sie auch vor Tausenden von Zuschauern in Berlin auf. Ende Oktober wurde bekannt, dass Bandmitglied Woojin die Gruppe aus “persönlichen Gründen” verlässt. Das Management entschuldigte sich bei den Fans für “eventuelle Unannehmlichkeiten”.

  • Diese K-Pop-Gruppen sollte man kennen

    MONSTA X

    Auch MONSTA X wurden im Fernsehen bei einer Ausscheidungsshow gecastet und sind seit ihrer Gründung 2015 bereits um ein Mitglied geschrumpft. Laut Medienberichten soll Wonho Schulden haben. Das Label Starship Entertainement teilte daher mit, die Band mache fortan zu sechst weiter, damit die jüngsten Ereignisse nicht von “all den aufregenden Dingen”, die MONSTA X erleben, ablenkten.

  • Diese K-Pop-Gruppen sollte man kennen

    NCT

    NCT (Neo Culture Technology) bestehen aus 21 Mitgliedern, die sich in vier Untergruppen gliedern – eine übliche Praxis im K-Pop, um die verschiedenen asiatischen Musikmärkte gezielter anzusprechen. Besonders erfolgreich sind derzeit NCT 127. Sie durften in diesem Jahr als erste K-Pop-Gruppe bei der berühmten Macy’s Thanksgiving Day Parade (Bild) in New York auftreten.

  • Diese K-Pop-Gruppen sollte man kennen

    Seventeen

    Die 13-köpfige Boygroup Seventeen hat drei Untergruppen, die jeweils auf Rap und HipHop, Gesang und Choreografie spezialisiert sind. Außergewöhnlich ist, dass sie an der Produktion von Musik und Tänzen stark beteiligt sind. Erst kürzlich teilten Seventeen mit, dass Mitglied S. Coups vorerst pausiere. Sie sprachen von gesundheitlichen Problemen und Angstzuständen und baten die Fans um Verständnis.

  • Diese K-Pop-Gruppen sollte man kennen

    Big Bang

    2012 standen Big Bang, eine der erfolgreichsten K-Pop-Bands überhaupt, noch zu fünft auf der Bühne (Bild). Inzwischen ist auch diese Gruppe um ein Mitglied geschrumpft: Seit März wird gegen Lee Seung-hyun, besser bekannt unter dem Künstlernamen Seungri, ermittelt, weil er Teil eines Prostitutionsrings gewesen sein soll. Daraufhin beendete er seine Karriere. Der Prozess steht noch aus.

    Autorin/Autor: Bettina Baumann

Der Preis für den Erfolg ist hoch: immer wieder ist von Knebelverträgen die Rede, die den Idols verbieten, öffentlich eine Beziehung zu führen. Man hört von Essstörungen, sogar von Suiziden der Stars.

“Im Vergleich zu früher ist die Community aufmerksamer geworden für die Realität der Industrie”, sagt Melissa Ndugwa. Die Idols seien zwar immer noch Vorbilder, aber würden nicht mehr so glorifiziert. “Im K-Pop ist es schon ein Skandal, wenn ein Idol irgendjemanden datet. Es gibt Stars, die dafür geächtet wurden und ihre Karriere beenden mussten. Dabei sind sie doch auch nur Menschen.”

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