Hohe Gaspreise: Engpässe im Handel? | DW

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Dramatische Worte vom Bundesverband Gütertransport und Logistik (BGL). Deren Geschäftsführer Dirk Engelhardt warnt, “bereits in zwei Wochen könne es zu ersten Engpässen im Handel kommen”. Der Grund: die gestiegenen Gaspreise als Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Im Wirtschaftsministerium gibt man sich gelassen. Ein Überblick.

Hilferufe aus der Chemiebranche

Die deutlichen Worte aus den Reihen des BGL stehen im Zusammenhang mit Warnungen der Stickstoffwerke Piesteritz GmbH (SKWP), einem Chemieunternehmen mit Sitz in Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Die SKWP gehören zu einem der größten Hersteller von AdBlue in Deutschland, einem Abgasreiniger für Dieselmotoren. Das Unternehmen ist für dessen Produktion massiv auf Gas angewiesen, da es dieses nicht ersetzen kann. Jährlich benötigen die SKWP 14 Terrawattstunden des Rohstoffs. Die explodierten Preise treffen das Unternehmen so schwer, dass die Produktion vor rund drei Wochen eingestellt wurde. Dirk Engelhardt vom BGL befürchtet Schlimmes: “Kein AdBlue bedeutet: keine LKW. Und das bedeutet: keine Versorgung für Deutschland.” 

Anlagen der SKW Stickstoffwerke Piesteritz GmbH. Bei Deutschlands größtem Stickstoff- und Ammoniakhersteller herrscht Produktionsstopp aufgrund der Gasknappheit

Zwar haben die SKWP mit dem BGL eine Notfallreserve des Abgasreinigers vereinbart. Von dieser waren aber zuletzt nur noch rund eine Million Liter übrig. Das ist ein Problem, denn nach Berechnungen des BGL sind bis zu fünf Millionen Liter des Abgasreinigers pro Tag in Deutschland notwendig.

Warum ist AdBlue so wichtig?

Fast 800.000 LKW fahren täglich durch Deutschland. Fast alle laufen mit Dieselmotoren und brauchen den Abgasreiniger. Auch neuere PKW und Busse mit Dieselmotoren verwenden AdBlue. Dieses setzt sich aus destilliertem Wasser und Harnstoff zusammen und befindet sich in einem zusätzlichen Tank. Durch die Hitze der Abgase wird die Harnstofflösung zersetzt – und Ammoniak entsteht. Dieses reagiert im Katalysator mit den Stickoxiden: Die gefährlichen Schadstoffe werden größtenteils zu Wasserdampf und ungefährlichem Stickstoff umgewandelt.

Momentaufnahme der Spritpreise Anfang September bei einer Tankstelle in München. Mehr noch als die hohen Kosten für Diesel sorgt die Diskussion um AdBlue für Unruhe bei Logistikkonzernen

Einfach keinen Abgasreiniger nachzutanken, ist wegen der EU-Vorschriften keine Lösung: Wenn der AdBlue-Tank leer ist und der Fahrer mehrere Warnstufen ignoriert, lässt sich der Motor nicht mehr starten.

Gelassenheit im Wirtschaftsministerium

Dass AdBlue für die Aufrechterhaltung der Lieferketten von zentraler Bedeutung ist, scheint unbestritten. Vor rund einem Jahr hatten Warnungen des BGL und SWKP vor einem Engpass im politischen Berlin für erhebliche Aufregung gesorgt. Der damalige Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) meldete sich via Zeitungsinterview zu Wort: “Wir haben die Lage genau im Blick und nehmen die Warnungen der Logistiker sehr ernst”, so Scheuer im Herbst 2021. In diesem Jahr bewertet man die Lage im von Robert Habeck (Grüne) geführten Wirtschaftsministerium (BMWK) deutlich gelassener. In einem nüchternen Pressestatement hält man beim BMWK fest: Man beobachte “die Lage seit längerem aufmerksam”  und könne eine “echte Mangellage” von AdBlue nicht feststellen. Abgesehen davon, so heißt es weiter, könne man den Abgasreiniger bei Bedarf auch einfach aus dem Ausland importieren.

Weitere Hilfen für Unternehmen angekündigt

Zur Analyse aus dem BMWK passen auch die Reaktionen aus den Reihen von BASF. Der Chemiekonzern mit Sitz in Ludwigshafen am Rhein ist gemessen am Umsatz der größte Chemiekonzern weltweit und gilt als größter industrieller Gasverbraucher in Deutschland. Obwohl ein erneuter Stopp russischer Gaslieferungen durch Nord Stream 1 zu Beginn dieser Woche einen rasanten Anstieg beim Gaspreis ausgelöst hatte, gibt man sich auch in Ludwigshafen unaufgeregt. “Trotz des herausfordernden Markumfeldes” laufe die AdBlue-Produktion uneingeschränkt weiter, heißt es in einem knappen Pressestatement.

Wirtschaftsminister Robert Habeck im Gespräch mit Bundeskanzler Olaf Scholz Anfang September im Bundestag. Die Regierung verspricht, Unternehmen zu helfen

Dass die wirtschaftlichen Sorgen von SWKP und anderen mittelständischen Unternehmen ernst genommen werden, wurde am Donnerstagnachmittag deutlich. Robert Habeck kündigte einen Mechanismus an, wonach Unternehmen, die ihre Produktion zurückfahren und so Gas sparen, finanziell entschädigt werden sollen: “Wir werden einen so breiten Rettungsschirm aufspannen, dass vor allem kleine und mittlere Unternehmen unter diesen Rettungsschirm fallen können”, so der Wirtschaftsminister wörtlich.

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