Geste der Solidarität: Lesen für den verletzten Salman Rushdie | DW

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Die Romanciers und Dichter, die bei der PEN-America-Veranstaltungauf den Stufen der New Yorker Bibliothek unter dem Titel “Stand with Salman: Defend the Freedom to Write” (“Steht zu Salman: Verteidigt die Freiheit des Schreibens”) am Freitag (Ortszeit) auftraten, betonten, ihre Freundschaft und Verbundenheit mit Salman Rushdie. Einige nutzten die Veranstaltung, um auf die Bedeutung der Meinungsfreiheit in den USA hinzuweisen.

Der irische Schriftsteller Colum McCann las aus Rushdies New Yorker-Essay “Out of Kansas” von 1992. McCann erklärte den Zuhörerinnen und Zuhörern, die Plakate für die Meinungsfreiheit hochhielten, dass er sich auf Rushdies Genesung und seine Rückkehr in die Welt der Literatur freue. “Er hat sich immer der Situation gewachsen gezeigt”, sagte McCann. “Ich denke, er wird etwas Tiefgründiges zu sagen haben.” Hari Kunzru, britischer Schriftsteller und Journalist, sagte vor seiner Lesung aus dem Vorwort der “Satanischen Verse”: “Salman hat einmal geschrieben, dass die Rolle des Schriftstellers darin besteht, das Unbenennbare zu benennen, auf Betrüger hinzuweisen, Partei zu ergreifen, Streit anzufangen, die Welt zu formen und sie davon abzuhalten, einzuschlafen.” Und fügte hinzu: “Deshalb sind wir hier.”

Lesungen als Trost und Mutmacher

Noch am Morgen seiner Verwundung hatte sich der indisch-britische Schriftsteller für bedrohte Kollegen in der Ukraine eingesetzt.  

“Salman, Salman, Salman”: eine Rednerin animierte die Zuschauer vor der New Yorker Bibliothek, den Namen des Verwundeten zu seinen Ehren laut auszurufen. Auf Twitter teilte Rushdies Sohn Zafar ein Foto der Menge, über deren Zusammenkunft er sich erfreut zeigte.

Siri Hustvedt etwa zitierte aus Rushdies Autobiografie “Joseph Anton” (2012). Das Werk trägt Rushdies Tarnnamen aus der Zeit des Untertauchens. Unter dem Hashtag #StandWithSalman wurden Kollegen und Freunde aufgefordert, ihre Zuneigung für Salman Rushdie zu bekunden. Die PEN-Organisatoren wünschten, dass darunter auch das Recht betont wird, der schriftstellerischen Arbeit nachgehen zu können, ohne Angst vor Repressalien haben zu müssen. 

Salman Rushdie: Durch Messerangriff verletzt

Salman Rushdie, so hieß es in der Eröffnungsrede der Solidaritätsveranstaltung, wolle diese besondere Veranstaltung selbst online verfolgen. Das lässt hoffen, dass sich der britisch-indische Autor von der heftigen Messerattacke vom 12. August in der Zwischenzeit bereits etwas erholen konnte.

Seine Familie ließ mitteilen, dass sich sein Zustand seit dem Wochenende verbessert habe. Laut seines Literaturagenten soll Rushdie durch den Angriff schwere Verletzungen erlitten haben, die in einem Krankenhaus behandelt werden. Betroffen sind Nervenstränge eines Armes, die Leber und bis jetzt scheint nicht ganz klar, ob er auf einem Auge erblinden wird. 

Angriff auf die freie Meinungsäußerung

Der Angreifer, von einer Grand Jury offiziell angeklagt für Mord zweiten Grades – eine eigene Kategorie im amerikanischen Strafrecht – sowie für den Angriff mit einer tödlichen Waffe und der Absicht versuchter Körperverletzung, plädierte unterdessen am gestrigen Donnerstag auf “nicht schuldig”, wie mehrere US-amerikanische Medien berichten. Der 24-jährige Hadi M. erschien dazu in einem Gerichtssaal der Stadt Chautauqua – gelegen im Westen des US-Bundesstaates New York. In Chautauqua hatte er den 75-jährigen Schriftsteller zu Beginn einer Kulturveranstaltung mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt.

Gegen Rushdie wurde 1989 eine Fatwa verhängt. Damit hatte der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini zur Tötung des Autors aufgerufen. Auch ein Kopfgeld in Millionenhöhe wurde ausgesetzt, sodass sich Rushdie gezwungen sah, fast ein Jahrzehnt versteckt und mit Personenschutz zu leben. Anlass waren die 1988 erschienenen “Satanischen Verse”, die der Iran als Blasphemie, also der Verspottung von Glaubensinhalten, ansah.

Weitere Solidaritätslesung in Berlin

Der deutsche Journalist Deniz Yücel war 2017 in der Türkei inhaftiert worden wegen angeblicher Terror-Unterstützung

Am Sonntag soll eine Veranstaltung ähnlicher Art folgen. Der PEN Berlin,  im Juni 2022 nach Querelen innerhalb der Führungsriege des deutschen PEN-Zentrums gegründet, lädt gemeinsam mit dem Berliner Ensemble zu einer Solidaritätslesung für Salman Rushdie ein. Am Abend des 21. August werden zwölf Schriftstellerinnen und Schriftsteller und Publizistinnen und Publizisten unter dem englischen Titel “Words Against Violence” (auf Deutsch: “Worte gegen Gewalt”) einen “Genesungsgruß” für ihren verwundeten Kollegen gestalten. Es soll ein “Zeichen des Widerstands gegen Fanatismus und Gewalt” werden – so schreiben es die Mitglieder vom PEN Berlin: Seyran Ateş, Priya Basil, Zoë Beck, Thea Dorn, Can Dündar, Eren Güvercin, Eva Menasse, Yassin Musharbash, Sven Regener, Judith Schalansky, Günter Wallraff und Deniz Yücel.

Die Berliner Schriftstellervereinigung zitiert Rushdie mit Worten, die wie ein Motto für die geplante Veranstaltung wirken: “Wenn wir an die Freiheit glauben, wenn wir wollen, dass die Luft, die wir atmen, im Überfluss vorhanden und atembar bleibt, dann müssen wir das Existenzrecht der Kunst nicht nur verteidigen, sondern feiern.”

Attentat lenkt erneut Aufmerksamkeit auf “Die satanischen Verse”

Das vor über drei Jahrzehnten erschienene Werk “Die satanischen Verse” geriet durch das Attentat vom 12. August erneut in das Interesse der Öffentlichkeit. So steigt die Nachfrage nach seinem Werk und auch Kritiker nehmen es sich vermehrt vor und erläutern seinen Inhalt in unterschiedlichen Medien. Unter anderem wird das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) in der kommenden Ausgabe des “Literarischen Quartetts” “Die satanischen Verse” vorstellen. Eingeladen ist dazu der Journalist Deniz Yücel, der ebenfalls am Sonntag im Berliner Ensemble aus Rushdies Werk lesen wird. 

  • PEN: Mehr Freiheit für das Wort

    Salman Rushdie

    Neun Jahre lebte der indisch-britische Schriftsteller in Verstecken: Der Iran hatte 1989 eine “Fatwa” gegen ihn verhängt, in der zum Mord an ihm aufgerufen wurde. Am 12. August 2022 wurde er nun bei einer Messerattacke schwer verletzt. Der deutsche PEN wertet das als “perfiden Gewaltakt auf Salman Rushdie, die Meinungsfreiheit und die westlichen Werte” und hat ihn zum Ehrenmitglied berufen.

  • PEN: Mehr Freiheit für das Wort

    Philippinen: Maria Ressa

    Auch für Maria Ressa setzt sich die internationale Schriftstellervereinigung ein. Die Friedensnobelpreisträgerin ist der philippinischen Regierung ein Dorn im Auge. Sowohl unter Ex-Präsident Rodrigo Duterte als auch unter seinem Nachfolger Ferdinand Marcos Jr. laufen mehrere Gerichtsverfahren gegen sie. Zuletzt wurde die Schließung des von ihr gegründeten Nachrichtenportals “Rapp­ler” angeordnet.

  • PEN: Mehr Freiheit für das Wort

    Türkei: Selahattin Demirtaş

    Der türkische Oppositionspolitiker Selahattin Demirtaş trat bei den Wahlen 2014 und 2018 gegen Präsident Erdoğan an. Seit November 2016 sitzt er wegen angeblicher “Terrorpropaganda” im Hochsicherheitsgefängnis. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verlangt seine Freilassung. Die Türkei, Mitglied im Europarat, reagiert nicht. In der Haft fing Demirtaş an zu schreiben.

  • PEN: Mehr Freiheit für das Wort

    China: Rahile Dawut

    Wie Hunderte von uigurischen Intellektuellen verschwand auch Rahile Dawut 2017 spurlos aus der Öffentlichkeit. Laut Human Rights Watch wurde die bekannte Ethnologin aus Xinjiang während einer Säuberungsaktion gegen uigurische Dichter, Akademiker und Journalisten verhaftet. Vermutlich hält man sie in einem Internierungslager fest. Das deutsche PEN-Zentrum setzt sich für Rahile Dawut ein.

  • PEN: Mehr Freiheit für das Wort

    Uganda: Kakwenza Rukirabashaija

    Sein Fall wirft ein Schlaglicht auf die Lage der Meinungsfreiheit in Uganda: Der afrikanische Regimekritiker, Autor und Jurist Kakwenza Rukirabashaijas wurde 2021 wegen kritischer Bücher und respektloser Tweets verschleppt und schwer gefoltert. Mit Hilfe des PEN gelang ihm die Flucht nach Deutschland, wo er seit Februar lebt. Seit Juli nimmt er am Writers-in-Exile-Programm des PEN-Zentrums teil.

  • PEN: Mehr Freiheit für das Wort

    Vietnam: Pham Doan Trang

    Politisch motivierte Anklagen, Verhaftungen, Bestrafungen: Mit ihrem Engagement gegen Umweltzerstörung, Polizeigewalt und Unterdrückung von Minderheiten geriet die vietnamesische Bloggerin und Journalistin Pham Doan Trang selbst ins Visier der Regierung. Viele Menschenrechtsorganisationen und Regierungen verlangen ihre Freilassung, seit sie 2021 zu neun Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

  • PEN: Mehr Freiheit für das Wort

    Türkei: Osman Kavala

    Kulturförderer Osman Kavala wird von der türkischen Regierung vorgeworfen, die Gezi-Proteste 2013 befördert zu haben, um die Regierung zu stürzen. Im April 2022 wurde er zur lebenslanger Haft verurteilt. PEN, Amnesty International und der Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte fordern seine Freilassung. Der Europarat rügte die Türkei wiederholt wegen Missachtung der Menschrechtskonventionen.

  • PEN: Mehr Freiheit für das Wort

    Simbabwe: Tsitsi Dangarembga

    Eine mutige Frau ist auch Tsitsi Dangarembga. Die simbabwische Autorin und Filmemacherin steht in ihrer Heimat wegen regierungskritischer Proteste vor Gericht. Ihr werden öffentlicher Aufruf zu Gewalt, Friedensbruch und Bigotterie vorgeworfen. Dangarembga erhielt 2021 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sollte es zur Verurteilung kommen, drohen ihr mehrere Jahre Haft.

    Autorin/Autor: Stefan Dege

 

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