Dennis Schröder – vom Sündenbock zum EM-Helden | DW

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Er sei “als Anführer supergut” und “ein super Mensch” sagt Basketball-Nationalspieler Justus Hollatz über seinen Mannschaftskapitän und auch Teamkollege Maodo Lo ist voll des Lobes. Basketball-Deutschland könne sich “glücklich schätzen, einen Dennis Schröder zu haben”. Für Bundestrainer Gordon Herbert war es “eine der einfachsten Entscheidungen”, die er je treffen musste, als er den Routinier mit großer NBA-Erfahrung vor der Heim-EM zum Kapitän ernannte.

Tatsächlich ist Schröder zum Chef des Nationalteams avanciert. Der Spielmacher trägt schon aufgrund seiner Position die Hauptverantwortung, nimmt diese Rolle aber auch voll an. Schröder trägt nicht nur die Bälle nach vorne und leitet Angriffe ein. Er nimmt die wichtigen Würfe, sucht mit schnellen Drives den Weg zum Korb und ist sich auch für die “Drecksarbeit” in der Verteidigung nicht zu schade. Als seine Mitspieler im Vorrundenspiel gegen Slowenien und Superstar Luka Doncic mit Foulproblemen zu kämpfen hatten, übernahm er trotz eines Größen- und Gewichtsnachteils von 16 Zentimetern und 26 Kilogramm die schwierige Aufgabe, den Ausnahmespieler in Manndeckung zu nehmen und vom deutschen Korb fernzuhalten.

Schwerstarbeit in der Abwehr: der “kleine” Dennis Schröder (l.) gegen den “großen” Luka Doncic (r.)

Nach einem technischen und einem unsportlichen Foul flog Schröder zwar kurz vor Ende des Spiels gegen die Slowenen vorzeitig vom Parkett, doch statt sich danach zu verkriechen, erschien er auf eigenen Wunsch bei der Pressekonferenz, um dort seine Sicht der Dinge zu erklären. “Wir brauchten auch mal eine Niederlage”, sagte er und suchte die Fehler auch bei sich selbst, indem er Wurfquote und Wurfauswahl hinterfragte.

Dass er immer vorangeht, bewies Schröder auch im nächsten Spiel gegen Ungarn: Dabei stand er gar nicht auf dem Feld, sondern wurde für die anstehende K.o.-Runde geschont. Stattdessen begleitete er das Spiel der Kollegen aktiv von der Seitenlinie, feuerte an, gab Tipps und jubelte über die Körbe seiner Mitspieler, die auch ohne ihren Anführer überzeugend mit 106:71 gewannen.

Erst Lakers, dann Abstieg

Für Schröder, der seit 2013 in der nordamerikanischen Profiliga NBA spielt und dort zuletzt für die Houston Rockets auflief, geht es bei der EM um mehr als das sportlich gute Abschneiden mit dem DBB-Team. Der 28-Jährige ist vertragslos und daher auf einer Art Bewerbungstour. Besonders die letzte Saison in der NBA lief für den Point Guard schlecht. Nachdem er sich in seinen ersten Jahren bei den Atlanta Hawks (2013 – 2018) und den Oklahoma City Thunder (2018 – 2020) einen Namen gemacht hatte, wurde er im November 2020 zum amtierenden Meister, den Los Angeles Lakers, getraded, wo er im Star-Ensemble um NBA-Topstar LeBron James und Anthony Davis spielte.

Schröder war auf dem Zenit, doch dann verzockte er sich. Ein Angebot, seinen Vertrag bei den Lakers für das Gehalt von 84 Millionen US-Dollar um vier Jahre zu verlängern, schlug er aus. Als er nach der Saison als sogenannter Free Agent neu verhandeln wollte, war im Budget der Lakers kein Platz mehr.

Schröders kurze Zeit in Houston war die am wenigsten erfolgreiche seiner bisherigen NBA-Karriere

Daher unterschrieb Schröder im August 2021 einen deutlich schlechter dotierten Einjahresvertrag bei den Boston Celtics, die ihn nach einer halben Saison nach Houston weitertauschten. In den 15 Spielen, die er für die Rockets machte, erzielte Schröder so schwache Werte, wie selten in seiner NBA-Karriere. Houston war am Ende mit nur 20 Siegen in 82 Spielen das schlechteste Team der Liga.

Wandel des Sündenbocks

Schröders Chancen, einen neuen Arbeitgeber in der NBA zu finden, sind dennoch nicht schlecht, allerdings ist – da die meisten Klubs ihre Kader für die Ende Oktober startende Saison bereits zusammengestellt haben – davon auszugehen, dass er erneut einen eher kürzer laufenden und vergleichsweise nicht sehr hochdotierten Vertrag angeboten bekommt.

Schröder bleibt trotz des kleiner werdenden Zeitfensters gelassen: “Mein Berater macht schon seinen Job, der telefoniert mit allen Teams”, sagte Schröder kurz vor der EM. “Ich lasse ihn seinen Job machen und ich mache meinen hier.”

Auch wenn Schröder nicht mitspielt, ist er aktiv dabei, unterstützt und bejubelt die Kollegen

Und den macht er herausragend – auf und neben dem Platz. “Er ist einer der besten Point Guards weltweit. Er führt uns an und führt uns zu Siegen. Es macht mir Spaß, mit ihm zusammenzuspielen”, sagt Maodo Lo über Schröder, der nach dem Vorrunden-Aus bei der Heim-EM 2015 sowie dem Vorrunden-Debakel bei der WM 2019 in China, als man am Ende gegen das Außenseiter-Team der Dominikanischen Republik verlor, noch als Sündenbock herhalten musste.

Doch Schröder hat sich gewandelt – ist immer da, wenn es darum geht, das Team zu unterstützen. Als er aus versicherungstechnischen Gründen in der Olympia-Qualifikation und dann auch beim olympischen Turnier in Tokio 2020 nicht mitspielen konnte, saß er trotzdem auf der Tribüne und versuchte wenigstens von außen seinen Teil zum Erfolg der Mannschaft beizutragen.

Schröder bald nächster deutscher Maverick?

Jetzt, bei der Heim-EM, in der es nach der Vorrunde in Köln für das deutsche Team in der K.o.-Runde in Berlin weitergeht, hat er auf dem Parkett überzeugt. Schröder steht bei durchschnittlich rund 18 Punkten und sieben Vorlagen pro Spiel und ist bislang einer der auffälligsten Akteure des Turniers. Das honorieren die Fans und es bleibt sicherlich auch den Scouts der NBA-Klubs nicht verborgen.

Zuletzt wurden erneut die Lakers und die Dallas Mavericks als Interessenten gehandelt. In Dallas würde Schröder mit Maxi Kleber einen Mitspieler haben, den er auch aus dem Nationalteam kennt, auch wenn Kleber auf eine EM-Teilnahme verzichtet hatte. Außerdem ist Deutschlands Basketball-Legende, Ex-Maverick Dirk Nowitzki, in Dallas nach seinem Karriereende als Sonderberater tätig. Und noch ein Gutes hätte ein Engagement bei den Mavericks für Schröder: Da dort auch Luka Doncic unter Vertrag steht, wäre Deutschlands Nummer 17 von der Last befreit, noch einmal gegen den Ausnahmespieler aus Slowenien verteidigen zu müssen.

  • Die Stars der Basketball-EM 2022

    Luka Doncic

    Schnell, dribbelstark, ball- und wurfsicher, einfach extrem vielseitig – so kann man die vielen Qualitäten Luka Doncics kurz zusammenfassen. Der 2,01 Meter große Guard ist schon als Teenager herausragend. 2018 führt er Real Madrid als 18-Jähriger zum Sieg in der EuroLeague. In der NBA ist der Europameister von 2017 Nachfolger von Dirk Nowitzki als Go-To-Guy der Dallas Mavericks.

  • Die Stars der Basketball-EM 2022

    Nikola Jokic

    Extrem variabel, wenn nicht komplett, ist auch das Spiel von Nikola Jokic. Der Center der Denver Nuggets macht und kann im Grunde alles: Der “Joker” punktet regelmäßig hoch, holt jede Menge Rebounds, gibt aber auch Vorlagen und ist ein hervorragender Verteidiger. Mit ihm gilt Serbien als größter Titelfavorit. Jokic hat mit den Serben bisher Olympia-Silber 2016 und EM-Silber 2017 gewonnen.

  • Die Stars der Basketball-EM 2022

    Giannis Antetokounmpo

    Der “Greek Freak”, wie Giannis Antetokounmpo genannt wird, vereint Kraft und Eleganz. Wenn der Power Forward der Milwaukee Bucks mit Tempo zum gegnerischen Korb zieht, ist er kaum zu stoppen. Mit den Bucks gewinnt er 2021 die NBA-Meisterschaft. Mit dem griechischen Nationalteam ist er bislang noch ohne Titel.

  • Die Stars der Basketball-EM 2022

    Rudy Gobert

    An ihm führen nur wenige Wege vorbei. Dreimal wird der 2,16-Meter-Center der Utah Jazz, der nun zu den Minnesota Timberwolves wechselt, als bester Verteidiger der NBA ausgezeichnet. Gobert überzeugt mit Rebounds und Blocks, und – weil er Würfe meist aus kurzer Distanz oder per Dunking abschließt – auch mit einer herausragenden Wurfquote. Anders sieht das allerdings von der Freiwurflinie aus.

  • Die Stars der Basketball-EM 2022

    Franz Wagner

    Wenn man sieht, wie gut Franz Wagner trotz seines jungen Alters von 21 Jahren schon ist, macht man sich wenig Sorgen um die Zukunft des deutschen Basketballs. Der 2,08 Meter große Forward überzeugt in seinem ersten NBA-Jahr bei den Orlando Magic auf Anhieb und wird fast zum Rookie of the Year gewählt. Auch im Nationalteam, für das er im Sommer 2022 debütiert, ist er einer der Führungsspieler.

  • Die Stars der Basketball-EM 2022

    Dennis Schröder

    Den Ton im deutschen Team gibt aber Dennis Schröder an. Der Point Guard, der bis zum Sommer in der NBA für die Houston Rockets aufläuft und für die kommende Saison noch kein neues Team hat, ist der beste deutsche Akteur. Schröder geht voran, auf und neben dem Platz. Schnelle Drives zum Korb aber auch das Pick-and-Roll-Spiel – am liebsten mit Kumpel Daniel Theis – sind seine Markenzeichen.

  • Die Stars der Basketball-EM 2022

    Jonas Valanciunas

    Unter dem Korb ist der Center der New Orleans Pelicans eine echte Urgewalt. Seine 2,11 Meter und 120 Kilo setzt er vor allem ein, wenn es darum geht, Rebounds zu holen. In der NBA ist er einer der besten Rebounder, dazu ein konstanter Punktesammler. Zweimal steht Valanciunas mit Litauen bereits im EM-Finale, verliert aber 2013 gegen Frankreich und 2015 gegen Spanien.

  • Die Stars der Basketball-EM 2022

    Domantas Sabonis

    Weniger wuchtig als sein Mitspieler tritt Domantas Sabonis auf. Der Sohn der litauischen Basketball-Legende Arvidas Sabonis ist genauso groß wie Valanciunas aber elf Kilogramm leichter – außerdem beweglicher und vielseitiger. Sabonis spielt in der NBA für die Sacramento Kings. 2018 gewinnt er im Rahmen des Allstar Games die Skill Competition, in der es um Dribbel-, Wurf- und Passfähigkeiten geht.

  • Die Stars der Basketball-EM 2022

    Evan Fournier

    Der 2,01 Meter große französische Aufbau- und Flügelspieler besticht vor allem durch Schnelligkeit. Fournier, der in der NBA für die New York Knicks aufläuft, zieht gerne zum Korb – entweder um selbst abzuschließen, oder um im letzten Moment raus auf den freien Mitspieler zu passen. Oft ist er aber auch der Mann, der gesucht wird, wenn es gilt, von jenseits der Dreier-Linie zu treffen.

  • Die Stars der Basketball-EM 2022

    Goran Dragic

    Mehr Erfahrung als der slowenische Aufbauspieler haben wohl nur wenige EM-Teilnehmer. Dragic spielt seit 2008 in der NBA, ab der kommenden Saison für die Chicago Bulls, sein insgesamt sechstes NBA-Team. Dragic trägt unermüdlich die Bälle nach vorne und hat immer ein Auge für den freien Mitspieler. Wenn es darauf ankommt, übernimmt er als Dreier-Schütze aber auch selbst Verantwortung.

  • Die Stars der Basketball-EM 2022

    Jusuf Nurkic

    Wer gegen Jusuf Nurkic zum Korb zieht, der geht buchstäblich dorthin, wo es wehtut. Der Center der Bosnier spielt mit Ecken und Kanten, ist sich aber selbst auch nicht zu schade, den Zweikampf um den Ball zu suchen. Nurkic ist seit 2014 NBA-Spieler und trägt seit fünf Jahren das Trikot der Portland Trailblazers. Bei der EM sind er und die Bosnier nur Außenseiter.

  • Die Stars der Basketball-EM 2022

    Bojan Bogdanovic

    Wenn man dem 2,02 Meter großen Flügelspieler freie Würfe gibt, kann es böse enden. Bogdanovic ist ein guter Distanzschütze und sehr treffsicher von der Freiwurflinie. Hinzu kommt seine lange Erfahrung: Schon 2005 macht der Kroate als 16-Jähriger seine ersten Profispiele bei Real Madrid. Erst 2014 folgt der Schritt in die NBA, wo er mittlerweile für die Utah Jazz aufläuft.

    Autorin/Autor: Andreas Sten-Ziemons

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