Bosnien: Angriffe auf den Antifaschismus | DW

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Die Verwüstung war nicht nur schockierend, sondern auch systematisch. Auf dem berühmten Partisanenfriedhof in Mostar in Bosnien und Herzegowina wurden Mitte Juni 2022 alle rund 700 Gedenksteine zertrümmert. Zweieinhalb Monate später gleicht der Ort noch immer einem Schlachtfeld: Überall liegen Steinreste herum, Ornamente an Wänden sind beschädigt – ein trostloses Bild.

Reste eines zerschlagenen Gedenksteins auf dem Partisanenfriedhof von Mostar

Hier, am weißen Hügel, am Bijeli Brijeg, wurde die Würdigung jener, die einst den Sieg über Nazi-Deutschland und seine Verbündeten errangen – über die italienischen Faschisten sowie die kroatischen Ustascha-Einheiten des faschistischen unabhängigen kroatischen NDH-Staates (Nezavisna Drzava Hrvatska, 1941-1945) -, buchstäblich in Stücke gehauen.

Exemplarischer Fall

Wer die Täter waren, dazu gibt es zwar Mutmaßungen, doch genau geklärt ist es nicht. Denn die Ermittlungen der Polizei verlaufen äußerst schleppend. Und obwohl nach dem beispiellosen Akt der Zerstörung antifaschistische Aktivisten, Historiker und sogar die Unesco darauf drängten, das Denkmal wieder zu restaurieren und künftig besser zu schützen, ist seither nichts geschehen. Eine regionale Gesetzesinitiative für eine künftige permanente Überwachung des Friedhofs scheiterte. Unklar ist auch, wer genau wieviel Geld für den Wiederaufbau zur Verfügung stellt.

Der Partisanenfriedhof von Mostar vor seiner Zerstörung

Seit mehr als 30 Jahren ist der Partisanenfriedhof von Mostar immer wieder Gewaltakten ausgesetzt. Gedenksteine werden zertrümmert, Hakenkreuze und Ustascha-Zeichen auf die Steinmauern gesprüht. Es ist ein Fall, der für die gesamte Westbalkan-Region exemplarisch zeigt, wie nationalistische Kräfte dort Geschichte umdeuten oder ausradieren und ihre eigenen völkisch-ethnizistischen Narrative zur verbindlichen Ideologie machen wollen.

Angriffe ohne Sanktionen

Der Präsident des Antifaschistischen Bündnisses SABNOR in Mostar, Sead Djulic, sieht hinter den Angriffen eine organisierte Gruppe von Neo-Faschisten, die sich als Fußball-Anhänger ausgeben würde. Sie nähmen den Partisanenfriedhof regelmäßig ins Visier.

Sead Djulic, Präsident des Antifaschistischen Bündnisses SABNOR in Mostar

Viele in Mostar mutmaßen auch, dass die Angreifer auf Anweisung von oben handeln würden und dass die Politik sie stütze, vor allem die völkisch-nationalistisch gesinnte Partei Kroatische Demokratische Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina (HDZ BiH), die stärkste Partei der kroatischen Bevölkerungsgruppe im Land. Andernfalls sei es undenkbar, dass die stundenlange Zerstörungsarbeit nicht einmal der Polizei aufgefallen sei, so die Kritik. Niemals, klagt Djulic, sei es in all den Jahren zu Verhaftungen oder anderen Sanktionen gekommen. Die staatlichen Institutionen seien somit mitschuldig an den Gewaltexzessen.

Zangengriff der Segregation

Das politische Klima in Mostar befördert derartige Taten. Die Stadt an der Neretva ist seit dem Bosnienkrieg eine der ethnisch getrenntesten in Europa – sie wird beherrscht von den nationalistischen Parteien der Kroaten und den Bosniaken. Die kroatische HDZ und die bosniakische Partei der Demokratischen Aktion (SDA) halten Mostar im Zangengriff der Segregation, vor allem auch an den Schulen. Kontakte in der jüngeren kroatischen und bosniakischen Generation sind seitens der politischen Eliten nicht gewollt, auf diese Weise werden neue kleine Nationalisten großgezogen.

Mostar mit der berühmten Brücke über die Neretva, die im Bosnienkrieg zerstört und später wieder aufgebaut wurde

Mehr noch: Fast zwölf Jahre verhinderten beide Parteien systematisch Wahlen auf lokaler Ebene. Das Budget der Stadt wurde ohne parlamentarisch legitimierte Kontrolle aufgeteilt. Nominell kritisiert die SDA auf gesamtstaatlicher Ebene zwar immer wieder die nationalistischen Narrative der HDZ. Doch in der gemeinsamen Politik der Ausbeutung öffentlicher Ressourcen in Mostar spielen HDZ und SDA ein gemeinsames Spiel – ähnlich wie in vielen anderen Städten des Landes.

Kriminelle Energie

Zweifelsfrei gehört der Partisanenfriedhof von Mostar zu den eindrucksvollsten Kunstorten, die im ehemaligen Jugoslawien zur Erinnerung an die Opfer des Faschismus errichtet wurden. Nach mehreren Jahren Bauzeit wurde er 1965 eingeweiht und sollte, so der Wille der Veteranenverbände, Heiterkeit ausstrahlen und sich von den düsteren Mahnmalen der Nachkriegszeit absetzen. Ausgestattet mit diesem Auftrag brachte der visionäre Architekt Bogdan Bogdanovic, der in Belgrad geboren wurde und dieser Tage seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, mit der mehrstufigen Landschaftsanlage seine Ausdruckskraft zur vollen Entfaltung.

Antifaschistische Gedenkkundgebung auf dem Partisanenfriedhof in Mostar im Februar 2019

Umso schwerwiegender werten viele die Angriffe auf den Erinnerungsort, auch internationale Bosnienexperten sind erzürnt. “Die jüngsten Zerstörungen belegen, dass Kräfte mit großer krimineller Energie, Nationalismus und vor allem Hass gewütet haben”, konstatiert der ehemalige Hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina, Christian Schwarz-Schilling. Er wertet den Vandalismus nicht zuletzt als Versuch, “einen Teil der Geschichte des ehemaligen Jugoslawiens, den Kampf gegen Faschismus, für Brüderlichkeit und Einheit, für den etliche Menschen ihr Leben ließen, zu vernichten”. Es sei daher von “fundamentaler Bedeutung”, die Vergangenheit aufzuarbeiten, fordert Schwarz-Schilling. Leider zeige sich in Mostar genau das Gegenteil.

Friedhof für Ustascha-Soldaten

Führende Politiker der kroatischen Partei HDZ BiH machen deutlich, dass die antifaschistische Erinnerung für sie kaum von Bedeutung ist. So sollen zur Wiederherstellung des verwüsteten, von Bogdanovic geschaffenen Friedhofes gerade einmal 200.000 Konvertible Mark (rund 100.000 Euro) aus dem Budget der kroatisch-bosniakischen Föderation bereitgestellt werden. Beobachter halten diese Summe nicht für ausreichend, um den Partisanenfriedhof, der den Status eines Nationaldenkmals besitzt, auch nur ansatzweise wieder aufzubauen.

Februar 1996: Eine Hängebrücke ersetzt die im Krieg zerstörte Alte Brücke (Stari most)

Gleichzeitig wurde bekannt, dass der nahe gelegene Mostarer “Friedhof des Friedens” mit 300.000 Mark finanziell bezuschusst werden soll. Das Pikante: Auf diesem Friedhof sollen nach Angaben der Mostarer Antifaschisten auch etliche kroatische Ustascha-Soldaten begraben sein, somit Unterstützer Nazi-Deutschlands. Der Ort sei – anders als der zerstörte Partisanenfriedhof – den Faschisten gewidmet, mahnt der überzeugte Antifaschist Djulic. Er sei daher alles andere – nur “kein Ort des Friedens”.

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