Anhänger von Al-Sadr beenden Protest | DW

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Nach zwei Tagen gewaltsamer Proteste im Irak haben Anhänger des irakischen Schiitenführers Muktada Sadr damit begonnen, das Regierungsviertel in Bagdad zu verlassen. Sadr hatte seine Anhänger zuvor in einer Rede in seinem Hauptquartier aufgefordert, die sogenannte Grüne Zone im Zentrum der irakischen Hauptstadt zu räumen. Sadr entschuldigte sich beim “irakischen Volk”, das “als einziges von den Vorfällen betroffen” sei. 

Kurz nach Sadrs live im irakischen Fernsehen übertragener Rede verließen nach Beobachtung von Korrespondenten seine Anhänger die Grüne Zone, in der sich die meisten Regierungsgebäude und andere staatlichen Institutionen befinden. Wenige Minuten später hob die irakische Armee eine am Montag ausgerufene Ausgangssperre wieder auf. Sadr hatte in seiner Rede angekündigt, diejenigen seiner Anhänger, die sich seiner Aufforderung widersetzten, zu “verstoßen”.

  • Irak: Gewalttätiger Machtkampf der Schiiten

    Kampf mit Stöcken und Steinen…

    Die Grüne Zone war einst der bestbewachte Ort in Bagdad. Jetzt ist das Regierungsviertel zum Kampfplatz rivalisierender schiitischer Gruppen geworden. Die Milizen des einflussreichen Schiitenführers Muktada al-Sadr hatten ein Protestlager errichtet und wollten gegnerischen schiitischen Gruppen nicht das Feld überlassen.

  • Irak: Gewalttätiger Machtkampf der Schiiten

    … und Maschinengewehren

    Bis in den Dienstagmorgen lieferten sich schiitische Gruppen und Sicherheitskräfte teils schwere Feuergefechte. Jisar al-Maliki, Analyst beim Middle East Economic Survey, gab dennoch Entwarnung: Dass der Konflikt sich zu einem “Bürgerkrieg unter Schiiten” ausweite, sei unwahrscheinlich. In der Tat hat al-Sadr seine Anhänger mittlerweile aufgefordert, ihr Protestlager zu räumen – was sie taten.

  • Irak: Gewalttätiger Machtkampf der Schiiten

    Charismatische Führungsfigur

    Auslöser der Unruhen war al-Sadrs Ankündigung, sich aus der Politik zurückzuziehen. Seine Bewegung war bei der Parlamentswahl im Oktober stärkste Kraft geworden, konnte jedoch keine Regierung bilden. Al-Sadr – einst Verbündeter, jetzt scharfer Kritiker des Iran – weigerte sich, mit Iran-treuen Parteien zu kooperieren. Die politische Pattsituation spitzte sich über Monate hinweg immer mehr zu.

  • Irak: Gewalttätiger Machtkampf der Schiiten

    Plantschen im Regierungspool

    Bereits am Montag hatten tausende Anhänger al-Sadrs die Grüne Zone gestürmt und Regierungsgebäude besetzt. Einige sprangen auch in die Schwimmbecken – vorübergehende Abkühlung in einem heißen Land und einer erhitzten politischen Situation.

  • Irak: Gewalttätiger Machtkampf der Schiiten

    Oberflächliche Ruhe

    Ab Montagnachmittag hatte in Bagdad und ab dem Abend im ganzen Land eine Ausgangssperre gegolten. Sie wurde offenbar nicht eingehalten, auch wenn diese Straße in Bagdad menschenleer ist. Doch die Nacht über waren Feuersalven zu hören. Es soll mindestens 23 Tote und 380 Verletzte gegeben haben.

  • Irak: Gewalttätiger Machtkampf der Schiiten

    Opfer des Machtkampfes

    Ein junger Mann trauert am einem Sarg während einer Zeremonie für die Opfer der Kämpfe. Seit der US-geführten Invasion im Jahr 2003 wird der Irak nach einem konfessionellen Proporzsystem regiert, nach dem das Amt des Ministerpräsidenten den Schiiten vorbehalten ist. Besonders problematisch wird dieses Konstrukt, wenn schiitische Gruppen sich nicht auf einen Regierungschef einigen können.

    Autorin/Autor: Philipp Böll

Nach Angaben des niederländischen Außenministers Wopke Hoekstra musste die Botschaft seines Landes evakuiert werden, weil die umliegende Gegend umkämpft war. Der Iran schloss vorübergehend seine Grenzen zum Nachbarland und stornierte alle Flüge in Richtung Bagdad. 

Sturm auf den Regierungspalast

Bei den Unruhen, die am Montag begonnen hatten, wurden mindestens 23 Menschen getötet. Auslöser war der angekündigte Rückzug al-Sadrs aus der Politik. Der Prediger warf gegnerischen Schiiten vor, Aufrufe zu Reformen missachtet zu haben. Daraufhin griffen seine Anhänger zu den Waffen und stürmten den Regierungspalast mit dem Büro des Ministerpräsidenten Mustafa al-Kasimi. Es kaI zu Zusammenstößen rivalisierender Schiitengruppen. Auch aus anderen Provinzen wurden Demonstrationen gemeldet, etwa aus Basra und Dhi Kar im Süden.

Anhänger und Gegner des schiitischen Geistlichen al-Sadr lieferten sich Gefechte

Al-Sadr hatte am Montag erklärt, er werde in einen Hungerstreik treten, bis die Gewalt gegen seine Anhänger eingestellt werde. An diesem Dienstag forderte er in einer weiteren Rede seine Unterstützer auf, sich unverzüglich aus dem Regierungsviertel in Bagdad zurückzuziehen. Medienberichten zufolge kamen zahlreiche Menschen seiner Aufforderung nach. Die Behörden hoben im Gegenzug eine Ausgangssperre auf, die dazu geführt hatte, dass Schulen, öffentliche Gebäude und Geschäfte geschlossen blieben.

Al-Sadrs Partei hatte die Wahlen im Oktober gewonnen. Es gelang ihr jedoch nicht, eine Regierung unter Ausschluss der vom Iran unterstützten Rivalen zu bilden; im Juni gaben die Abgeordneten des Bündnisses geschlossen ihr Mandat zurück. Seitdem herrscht ein Machtvakuum im Irak.

“Sicherheit, Stabilität und Unabhängigkeit nicht aufs Spiel setzen”

UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich besorgt über die gewaltsamen Proteste und rief zu Ruhe und Zurückhaltung auf. Die US-Botschafterin im Irak, Alina Romanowski, erklärte, die Sicherheit, die Stabilität und die Unabhängigkeit des Iraks dürften nicht aufs Spiel gesetzt werden.

Gilt als Königsmacher: der schiitische Geistliche Muktada al-Sadr (Archivbild)

Seit der US-geführten Invasion im Jahr 2003 wird das Land nach einem ethnisch-konfessionellen Proporzsystem regiert, wonach das Amt des Ministerpräsidenten einem Schiiten vorbehalten ist. Das Staatsoberhaupt wird von den Kurden gestellt und der Parlamentspräsident von den Sunniten – der neben den Schiiten zweiten großen Glaubensrichtung des Islams.

uh/jj/ehl (dpa, afp, rtr)

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